Mittwoch, 16. Juni 2010

Nachbarschaftskneipentesterin H.

Es gibt so Tage, da ist einem einfach nach was.
Und man weiß sogar ganz genau wonach:
Saganaki. Krautsalat. Und eventuell Tomatenreis.
Jawoll!
Um ehrlich zu sein, ist mir schon seit mindestens 14 danach.
Aber ach, irgendwie war ich dann doch immer zu bequem.
Oder der Wunsch halt doch nicht dringlich genug.
Heute dann aber,
entspannt trotz Kopfoverdose von außen.
Sonne. Gleichmut.
Und Hunger.
Genau darauf.
Kuchen backen lässt sich auch noch um halb zehn.
Dann wirds eh so langsam dunkel...
Denkt sich Frau H. und tigert los.
Richtung Viertel Zentrum.
Dabei geht sie zum wiederholten Male
am Nachbarschaftsgriechen vorbei,
der in letzter Zeit ja deutlich frequentierter erscheint...
Vielleicht doch mal ausprobieren, brummts im Köpfchen?
Aber vielleicht hat er ja gar nicht genau das?
Und außerdem muss Frau H. eh erst noch zur Bank.
Also Richtung Zentrum zum altbekannten.
Das allerdings,
so erinnert sich unsere Entspannte,
war die letzten Male doch eher mau..
Und als ihr dann auch noch das scheinbar dritte Spiel des Tages
- (und ich dachte es wären immer nur 2 und wähnte mich sicher!) -
aus dem Flachbildwald entgegenschallt,
steht ihr Entschluß fest:
Umkehr und testen!

Frau H. sitzt kaum, da kommt auch schon die Servicefee.
Mit der Karte und einem eiskalten Ouzo in der Hand.
Und auch wenn Frau H. es damit eigentlich nicht so hat,
fand sie das irgendwie entzückend.
Die Karte hält, wie Frau H. erfreut feststellt,
alle drei gewünschten Speisen parat.
Und bereits einen halbe Bierlänge später stehen diese wunderbar zeitgleich vor ihr.




Flankiert von einem wirklich göttlich aussehenden Bauernbrot.
Und Olivenpaste.
Aufs Haus.
Und vom Haus selbstgemacht.
Nun liebt Frau H. ja gutes Brot.
Vor allem Bauern.
Und hasst schlechtes.
Hamburg ist in dieser Hinsicht
(von einigen Ausnahmen, meist Bio, abgesehen)
eine überteuerte Stadt der Ödnis in den Augen von Frau H.
Was sie umso erfreuter feststellen lässt, dass das Brot nicht nur exorbitant gut aussieht,
sondern auch so schmeckt.
Leicht im Ofen angewärmt, mit krosser, rauchwürziger Kruste und softem Innenleben.
Die Olivenpaste ist geschmacksintensiv.
Und passt hervorragend!
Alleine das macht Frau eh schon entspannt H. nun entgültig momentverliebt.
Der Saganaki ist von einer fluffigen Ei-Mehl Panade umhüllt und wird
- wie es sich gehört! -
mit Zitrone gereicht.
Sehr fein!
Tomatenreis und Krautsalat sind guter Durchschnitt.
Und dabei ziemlich günstig.
Frau H. ist wahrhaft positv überrascht, und beschließt alssofort,
dass dies nicht ihr letzter Besuch gegenüber gewesen sein wird!
Schon alleine wegen dem Brot, von dem sie,
ganz entgegen ihrem mittlerweile nicht mehr so sonderlich ausgeprägtem Hungergefühl,
ganze drei halbe Scheiben verdrückt.

Satt und müde blickt sie an den Altbaufassaden empor,
auf denen das Gold des Tages ein letztes Mal aufspielt.




Versonnen wandert ihr Blick am Blau der so herrlich piefigen Plastikstühle vorbei ins Grün der Linden....



"Schön, schön, schön... dieses kleine Stückchen O, das mich umgibt!"
Denkt sie, nicht zum ersten Mal, während aus naher Ferne vereinzelt eine Vuvuzela trötet.
Eine erfrischende Oase der Normalität.
Zwischen kleiner Szene und halbem Hype.
(Der sich hoffentlich nie in Gänze durchsetzen wird!)
Einfach. Persönlich. Unprätentiös.

Und ist für einen kleinen langen Moment
durch und durch glücklich...

Gekrönt nun noch,
von diesem Geruch:



(Und nach all dem fühlt sich Frau H. jetzt fast wie ein Kochblog.)

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