Montag, 22. März 2010

Schiffstuten. Und andere Menschengeräusche...

Es gibt so Dinge, die fallen einem zwar auf, aber so ganz und wirklich registrieren tut man sie eigentlich nicht...vor allem nach einer gewissen Zeit der Gewöhnung.
Und erst, wenn man sich eine Veränderung vorstellt, begreift man, wie süchtig man mittlerweile danach ist.
Bei mir ist ein solches "Ding" diese unglaublich ruhige Lage von Fort Knox.

Als Land-, ja eigentlich Waldkind, war mir Lärm (vor allem der von Verkehr und sonstig Urbanem) lange Zeit unbekanntes Land.
Wenn etwas laut war, innerhalb meines Erfahrungshorizontes, dann war es ein Traktor, der gerade vorüber fuhr.
Oder der Mähdrescher auf dem Feld nebenan.
Manchmal auch das Geräusch der Motorsägen im Wald.
Eine kleine Vielfalt. Und temporär stets sehr überschaubar.

Manchmal, wenn der Wind richtig stand, konnte man durch das offene Schlafzimmerfenster meiner Mutter auch die in der Ferne verlaufende Autobahn hören. Und die Blasmusik aus dem Festzelt im drei Kilometer entfernten Nachbarort.
Das war dann schon fast ein Ereignis!

Selbst als ich dann auszog, das Fürchten zu lernen, begegnete mir der städische Lärm ersteinmal nicht.

HB war von anderen Taubheiten geprägt. Und in WÜ wohnte ich letztlich zu idylisch.
So dass mich erst, nach Jahren, dann endlich jener Lärm erreichte, den Städte auch machen können.
Die erste Konfrontation war die S-Bahn - und vor allem die Güterzüge -vor meinem Fenster, die mir zeigten, dass es bisweilen nicht zwingend selbstverständlich ist, bei einem Telefonat das Gegenüber zu verstehen.
Und das bei Fernsehfilmen hin und wieder auch einmal der Ton wegbleiben kann, selbst wenn er eigentlich da ist.
Bei zu, versteht sich.

Aber nun gut, ich war jung, nicht sonderlich krüsch und hatte es ja schließlich so gewollt. So what?
Als ich dann - aus anderen Gründen - umzog, dachte ich erst gar nicht über die Traufe nach, die auf den Lärmregen der Bahnlinie folgen sollte:
Ausfallstraßenkreuzung.

Meine Möglichkeiten waren, nun, wie soll man sagen?: Ein wenig eingeschränkt.
Und es gab ja immerhin Schallschutzfenster. Ein absolutes Novum für mich!
Ebenso wie das Einzimmerisoappartment, auf das ich - aus anderen Gründen -so absolut scharf war.
Das Ausfallstraßen (und vor allem Ausfallstraßenkreuzungen mit Ampelbetrieb) die Bahn auf lange Sicht absolut toppen würden, hatte ich jedoch nicht erwartet.

War die lautstarke Belästigung vormals noch grob in die Traktorensparte einordnenbar, so zeigte sich die Ausfallstraße
als weitaus subtiler.
Im Grund glich sie den Autobahn-, Volksfestbeschallungswellen bei gutem Wind.
Nur lauter. Und nahezu immer.
Und damit auch ohne jede abenteuerliche Romantik.

In jenen zwei Jahren lernte ich nicht nur Ausfallstraßen hassen, nein, ich begriff auch, dass Schallschutzfenster schweres Geschütz sind, dass nur bei Kriegszuständen verwendet wird. Finger weg von was mit das!
Vor allem wenn man gerne bei offenem Fenster schläft.
Und auch sonst dem Fluss positiven Chis gegenüber nicht abgeneigt ist.

Nachdem ich nun also schwerst geübt war in Kurzschlaf und Isolierungserfahrung schien es mir an der Zeit für Lektion drei:
Dualismus!

Und so mietete ich erst einmal eine Wohnung, die von beidem etwas hatte. Also ein leicht lautes (Nord-) und ein sehr ruhiges (Süd-) Zimmer. Das funktionierte für eine gewisse Zeit auch ganz gut.
Ich schlief, selbst bei geöffnetem Fenster, im vergleichsweise ruhigen Norden und hielt mich ansonsten fröhlichst im ruhigen Süden auf.
Soland, bis mich die Umstände ganz in den Süden ziehen ließen.
Danach wurde ich mit dem Norden nie mehr so richtig warm.
Er war mir einfach zu laut!
Und so hatte ich zwar zwei Zimmer, nutzte aber faktisch - zwischenzeitliche, gescheiterte Versuche ausgenommen -zumeist nur eines.

Mit den WGs hatte ich abgeschlossen. Irgendwann fühlt man sich einfach zu alt.
Was eigentlich nur bedeutet, dass man keine Lust mehr hat, auf neuerliche Kompatibilitätsversuche.
Und diese verdammte Fiftyfifty-Chance. Außerdem wollte ich Wohnen und Schlafen endlich wieder getrennt.

Und das ist einer der Gründe für Fort Knox gewesen.
Der mir gerade, bei Sichten meines dämlichen Immoallerlei-abos wieder einmal auffiel.
Kein Unwichtiger!

Eines also, um endlich zu einem Ende zu kommen, muss man Fort Knox wirklich lassen:

ES IST SO VERDAMMT TRAUMHAFT RUHIG!

So ruhig, dass mir bei meiner Frau Mama im Kindheitszimmer mittlerweile selbst der im Wiesengrund rauschende Bach zu laut ist. Und das will was heißen...

In diesem Sinne, nicht immer, aber manchmal schon:

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