Freitag, 29. Januar 2010

Und wenn sie nicht gestorben sind..




Und dann sagt er ihr, dass alles, ja, alles das, was sie gesehen hat, wahr ist.
Sein Blick wandert auf die zertretenen Schuhe an seinen Füssen, so, als könne er so besser erklären.
Was noch nie einer Erklärung bedurfte.
Er sieht nicht auf, ahnt sie nur, vor sich. So wie sie.
Immer, stets vor ihm gestanden war.
In all diesen Momenten.
In denen er sich verschlossen hatte.
Und wild um sich geschlagen, sobald ihre hilflosen Hände
auch nur den Versuch wagen wollten, ihn zu berühren.
Seine Stimme ist ruhig. Fast schon zärtlich.
Er will aufsehen. Und traut sich nicht.
In Gedanken ist sie noch immer sein Spiegel.
Wie also, wenn nun das in ihren Augen erscheint,
was aus seinen so oft tobte?
Um seine Füsse sammelt sich Staub. Flocke für Flocke wie Schnee.
Während er wartet. Darauf, dass sie ihm endlich etwas entgegnet.

Alle drei Minuten geht das Licht im Treppenhaus aus. Die ersten drei Minuten, nachdem er ihr die Tür vor der Nase zugeknallt hatte, hatte sie im Stehen verbracht.Dann ging das Licht aus. Sie hatte es wieder an gemacht. Und etwas ratlos auf die Tür geblickt.Ein, zweimal hatte sie geklingelt. Dann kurz und leise geklopft. Ganz vorsichtig.Als er noch immer nicht reagierte, hatte sie sich hingesetzt. Und zu zählen begonnen, nach wievielen Sekunden das Licht ausgeht. Es waren 18o.
Steifgefroren reckt sie den rechten Arm hoch und drückt auf das rote Lämpchen, das den Schalter markiert.
Es ist kalt. Im Flur.
Die Mitte der Stufen, auf denen sie sitzt, ist von den vielen hinauf- und hinablaufenen Füssen abgewetzt.
Das Holz sieht speckig und dünn aus. Wenn sie sich bewegt knarrt es leise unter ihrem Gewicht.
Und doch ist es, trotz all der Jahre, noch immer stabil genug sie zu tragen.
Aus der Wohnung nebenan ziehen Essensgerüche zu ihr herüber.

Sie ist müde.
Ihr ist kalt.

Doch ihr ist nicht kalt genug...

(to be continued...)

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