Samstag, 2. Januar 2010

Frau H. wirbt für die Wunderheilung

Nu' bin ich ja nicht die, die sich hier hinsetzt und Werbung für irgendwas macht (außer vielleicht für das friesisch Herbe ;)...), aber diese Erfahrung ist mir dann doch einen, wenn auch nicht unbedingt werbenden (wo und von wem Sie es herbekommen, dass müssen Sie bei Interesse schon selbst recherchieren), so doch wenigstens aufmerksam machenden Beitrag wert.
Einfach weil es mich jeden Tag aufs Neue verblüfft und begeistert.
Auch auf die Gefahr hin, dass Sie mich für eine dieser Esoschlampen halten...

Frau H. hat ja ständig Zahn. Ihr Leben lang schon. Es ist ein wahrer Fluch!
(Und hat auch noch so ein paar frühkindliche Metzgerhintergründe.)
Das ist der Grund, warum Frau H. so an Ihren Zähnen hängt - freiwillig rückt sie jedenfalls keinen mehr raus!* - und in Sachen Dentist ausgesprochen kritisch ist. Seit Jahren schon fährt sie deshalb bei Zahnautsch stets brav durch die halbe Stadt zu den tollen Menschen im noch viel tollere Schnepfendorf, um sich dem wirklich tollen, wenn auch extrem teuren und chichilastigen, Zahnarzt ihres Verstrauens in Treue hinzugeben. Wurde doch jedes Fremdgehen bisher böse bestraft.
Das erstmalige Auftreten jenes Zahnautschs, um das es hier nun im Folgenden gehen soll und das Frau H. vergangenes Jahr zweimal wirklich böseböse plagte, ist schon einige Jahre alt und nahm seinen Anfang während eines recht heftigen Jobs in Minger.
Es muss so um 2002/3 gewesen sein. Frau H., auf Wochen inhaftiert im bezaubernden Passing, fernab jedwelcher vertrauensvoller Behandllungsmöglichkeit, hatte Muckel. Also Zahn und so. Erst mässig. Und dann immer doller.
Bis es irgendwann so doll wurde, dass sie selbst unter großer Schmerzmittelmedimentikation nur noch hätte schreien mögen. Von konzentrierter Arbeit keine Rede mehr. Und Frau H. ist einiges gewohnt, in der Hinsicht!
Nach leidgeplagten Tagen des stündlich zwischen Frauenbedürfnisanstalt und Arbeitsraum (mit der Chlorhexamedflasche und dem Tablettenpack in der Hand) Hin- und Herpendelns gab sie also auf und sich in fremde, gelbseitige Dentistinnenhände.
(Zu diesem Zeitpunkt hätte man ihr nicht nur jeden Zahn, sondern auch gleich den ganzen Kopf ohne Widerrede ziehen können..). Entzündet! Das war ihr klar. Vollkommen und Glas. Für so was hat Frau H. nicht nur einen Riecher (das jedoch ist eine andere Geschichte; ich sollte eine Rubrik einführen: Frau H. and the Rocky Horror Show of Dentist!), sondern auch ein gottverdammtes Körpergespür. Die Fremddentistin hingegen brabbelte was von Zahnfleischentzündung und Parodontose (aber auch nur so lange, bis sie erfuhr, dass Frau H. nicht für immer in Minger zu weilen gedachte!) und gab Frau H. (die auf einer Betäubung bestanden hatte) die Spritze NACH der Behandlung. Hallo?
Immerhin gab es noch ein paar dieser wirkich harten Hämmer und ein Antibiotikum obendrauf, so dass Frau H. die Zeit in der Fremde mit mässigem Leid überstand.
Zurück in der Hansestadt ging Frau H. - in einem dieser regelmässigen Schickientnervtanfälle - erst ein Mal zu einem von Freundesmund wärmstens empfohlenen Klemptner.
Dieser nun widerlegte zwar - ganz Frau H.'s Vermutung entsprechend - die Parodontosebehauptung der bayrischen Kollegin, wollte aber nach umfangreichem Röntgen den schuldigen Kanidaten aus dem Kieferknochen exhumieren. Sei nix zu machen...
Reumütig und gegeiselt vereinbarte Frau H. also einen Termin in Schnepfendorf.
Erzählte schamesrot von ihrem bitteren Schicksal der letzten Wochen. Innerstädtisches Fremdgehen inklusive.
Gefolgt von der Frage: Was man den tun könne, vielleicht??? Außer exhumieren.
Gut, die Lage wurde auch hier nicht als optimal eingeschätzt. Und durchaus risikobehaftet.
Aber versuchen können man es schon, nur eben ohne jedwelche Garantie bezüglich der Dauer des Erfolges.
Egal! Spielen wir eben auf Zeit!
Frau H. wurde also wurzelbehandelt. Und überkront. Immer mit dem Hinweis auf die mögliche Zeitbombe, die sie nun im Munde trüge.
Und ja, doch, Frau H. fühlte sie recht bald ticken. Immer wieder. Ein bisschen Muckel hier, ein bisschen Muckel da...eigentlich ein Dauermuckel, mit mehr oder minderem Ausmass. Nicht unbedingt toll, aber nun ja: Raus eben nur, wenn's denn gar nicht anders geht! Lautete die Parole. Und damit wären wir endlich in der jüngeren Vergangenheit.

Der erst Schub im Mai. Heftiges Hamster-H.! Binnen Stunden. Allerdings ohne große Schmerzen...
Kassenpatientdiagnose bei P. (Bah! Was ein... Ich werde ja ungerne so deutlich, aber per sofort schließe ich P. schon beim Terminieren ausdrücklich aus!)
Nun ja: P. veranschlagt Rundumbehandlung für ca. 2000 Euro Eigenanteil.

(Ha! Hase! Schon 'mal was von Wirtschaftskrise gehört??? Und: ich bin leider so oder so - lassen wir die Krise ruhig aussen vor - keine Schnepfendorfermelkkuh! Ich habe nur einfach ein paar echt miese Zahnarzterfahrungen gemacht, in meinem bisherigen Leben. Und für 2000 Euro muss ich, auch in guten Zeiten, lange stricken...)

3 Zähne. Alle Autsch. Welcher es denn nun ursächlich sein möchte? DAS kann P. SO nicht sagen...
Röntgentechnisch sind sie wohl alle verseucht...

Sie können sich denken, wie frustierend sowas ist? Ja?

Ich bestehe also auf einem weiteren Termin. Diesmal bei R. Und bitteschön auch WIRKLICH bei R.!

Dazwischen fresse ich Antibiotika. Und habe Darm. Weil das sind echte Scheiß Antibiotika...

R. ist allerdings auch nicht gerade ein Glücksbringer:
Neeeh, übel sieht das schon aus! Ok., den Weisheitszahn können wir, klar. Und dann noch 'ne Wurzelresektion. Auch beim Kieferchirurgen.
Dann, wenn es nicht schickt, den anderen neu wurzelbehandeln, was natürlich auch neu überkronen bedeutet...aber gut. Wir warten. Im Zweifel musst Du halt Antibiotika und so....


Die Aussichten sind also weiterhin alles andere als rosig. Und Geld ist auch unabsehbar keins da, nach wie vor.

Frau H. geht also erst 'mal zum Kieferchirurgen. Ein Vorgespräch führen, weil ohne Vorgespräch läuft zahntechnisch gar nix mehr bei Frau H.!
Unsympatische Praxis.
Frau H. vermisst Franz!
Und eine Stunde Wartezeit, trotz Termin..
Dafür wirkt der Behandler sympathisch und kompetent, jedoch nicht, ohne auch wieder Kosten in den Raum zu werfen.
Zwischen 300, 700 oder doch raus (Folgekosten Euro?) ist alles drin.
Na toll! Damit wären wir ja echt weiter!

Die Terminvereinbarung gestaltet sich schwierig. Und so verschleppt Frau H. die Angelegenheit ersteinmal.
Zu lange, wie sich im November herausstellt!

Wieder mutiert sie über Nacht zum Hamstertier. Unter Schmerzen, nun, starken Schmerzen! Aber diesmal hat sie zumindest Antibiotika (welche eigentlich als Vorbereitung für den Kieferchirurgischen Eingriff gedacht waren) und amtliche Hämmer (welche für danach gedacht waren) im Haus. Und die Sache verläuft verhältnismässig glimpflich. Wenn auch natürlich - wie immer eben, Murphy lässt grüßen - im allergrößten Jobstreß. 14h Tage unter heftigsten Schmerzmitteln und Antibiotika, gepaart mit großen körperlichen Anstrengungen lassen spätdreissigjährige Frauen dann schon 'mal recht wortkarg werden, am Ende des Tages...

...und doch, kommen wir nun ENDLICH zum eigentlichen Inhalt dieses Beitrags!, taucht exakt an jenem unerfreulichen Tag die fast schon mystische Lösung auf.
Mittels der Dirndlfee.
Jene nämlich kennt eine, die arg gebeutelt ist vom Leben. Gesundheitlich. Und damit ausgesprochen expirementierfreudig.
Und die, die schwört auf so ein Silber. Und hat das auch schon 'mal ihrem Vater angedreht, als er heftigstes Zahnverseuchtsein hatte. Das hat gewirkt, sagt sie. Und Frau H. (die immer nur an die 300-2000 Euro und die Zeitbombe denken muss) spitzt plötzlich ganz aufgeregt die Ohren! Kannst Du mir nicht?? Bitte? Besorgen? Ja? Und die Dirndlfee verspricht, ihr Möglichstes zu tun. So weit so gut.

Während die Dirndlfee ihr Möglichstes tut, verkuckt** sich Frau H. im Internet, Informationssucht, nennt man das wohl. Und ist zugegeben skeptisch. SÄHR skeptisch! Aber nun ja, man kann es ja 'mal versuchen..wer nicht an Wunder glaubt, dem werden auch keine widerfahren, oder so. Und schaden wird es wohl erst einmal nicht. Und Anfang Dezember dann, hält sie es in den Händen. 2x100ml. Für 15 Euro. Quasi Schwarzmarktbesorgt. Huhhhh....

In der ersten Woche beobachtet sie nun alles sehr genau. Aber viel tut sich nicht. Es muckelt nach wie vor, relativ doll, mal mehr, mal weniger. Nach ungefähr 7 Tagen setzen seltsame Befindlichkeiten ein, im Mundraum. Fühlt sich fast wie postoperativ an (und Frau H. weiss, wie sich postoperativ anfühlt!)...Frau H. schwankt stark zwischen beunruhigt und aufgeregt. Nach Woche zwei ist nahezu kein Muckeln mehr da. Seit wievielen Jahren???? Nur der Wurzelresektrionskanidat macht noch Sorgen. Und Frau H. ist nach wie vor skeptisch, in ihrem Weltbild sind Wunder schließlich rar geworden!
Woche drei vergeht unverändert. Na ja, weggehen wird es wohl nicht ganz, damit...denkt Frau H. Aber immerhin weiß sie jetzt gewiss, wo der Übeltäter zu suchen ist! Aber: Huch! Nach Woche vier wird selbst der Übeltäter stumm! Und fühlt sich an, wie alle anderen! Frau H. - und um wieder in die Ich-Form zurückzukehren - damit meine Wenigkeit, wissen noch immer nicht so recht, was sie davon halten sollen. Mir ist, als geschähe ein Wunder! Aber ich sage Ihnen was: Obwohl ich mich jetzt schon enthalte, tut kein Muckeln nix mehr sich kund! Es ist so, so...erstaunlich? Ich meine, ich habe keinen blassen Schimmer, ob Sie das jetzt nachvollziehen können. Aber ich bin sowas von angefixt von dem Zeug! Ich möchte es am liebsten jedem empfehlen. Und diese Scheiß Pharmaindustrie in den Wind schießen.. Alles Arschlöcher, wenn Sie mich fragen tun!
So, das wollte ich eigentlich nur kurz sagen. Also ganz kurz.

Edit: Nu ja, es war ja klar: WUNDER gibt es nicht. Wunderbare Wirkweisen jedoch allerdings immernoch! Vielleicht habe ich zu früh abgesetzt. Vielleicht ist die Ursache auch einfach nicht zu verachten... Auf alle Fälle schlug der Feind prompt, nachdem ich mich überallst der Wunderheilung rühmte, wieder zu. Urgs! Gut, es wurde nicht dick. Das ist neu. Dafür schmerzte es promt und sehr stark. Lust zu kapitulieren hatte ich dennoch nicht: KEIN ANTIBIOTIKA! Nicht sofort, zumindest...(zugegeben: ich trug es einer Zyankalikapsel gleich stets bei mir, ich Angsthase, ich.). Statt dessen wieder Wunderwaffe. Und dieses Ibu 600, für anderthalb anstrengende Tage (Murphy!). Dannach war schon deutlich besser. Jetzt fast wieder gut. Die Anwendungsdauer wird nun versuchshalber auf 4-6 weitere Wochen verlängert. Selbstgebraut. Unter diesen Umständen. Huhhh... Dann kucken.
Bin gespannt!


Dazu passend: MUSIK!



*expect the Weisheitszahn links oben

**Seitenauswahl rein repräsentativer Natur

Kommentare:

  1. Hier zeigt sich wieder: Reden ist Silber, schweigen ist nur Gold. Mit tut zwar selten irgendwas weh, aber danke für den Hinweis - diese Alchmie war mir bislang unbekannt.

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  2. Ja, es ist schon erstaunlich WIE unbekannt diese Alchemie ist! Vor allem - ich werde es weiter gespannt von Gelegenheit zu Gelegenheit im Selbstversuch beobachten - wenn das, was sich momentan abzeichnet. wirklich von Dauer sein sollte (ein wenig Restskepsis gebietet mir mein Naturell immer noch). Dabei erscheint die Wirkweise durchaus einleuchtend und ja auch in keinster Weise neu! Nur dass sich sowas halt schlecht patentieren lässt. Und damit keinen finanziellen Gewinn bringt... Traurige Welt, in der wir leben. (Und seien Sie froh, dass Ihnen selten was weh tut! Mir ja eigentlich auch, mit Ausnahme der Zähne. Die dafür dann gerne um so mehr...Sollten Sie dennoch irgendwann Erfahrungen mit dem Silberwässerchen machen, lassen Sie es mich doch bitte wissen.
    Ich bin da jetzt wissenschaftlich interessiert...)

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  3. Merci für das Angebot, bislang hat Feuerwasser stets geholfen.

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  4. Oh, ein Angebot war das eigentlich nicht (noch bin ich fern von Handel und Vertrieb, was wohl auch so bleiben wird)...aber die Erfahrungsberichte der Feuerwassermedikation sind mit Sicherheit auch sehr interessant... ;)

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  5. Zahnschmerzgeschichten.... Zahmschmerzgeschichten....

    *DanielZahnschmerzgeschichtenÄußertAbgeneigt schaut entgeistert und versucht sich vorsichtig aber blitzschnell zurückzuziehen*

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  6. Ach *Frau H. leicht süffisant böswillig kuckend*, vielleicht führe ich wirklich eine Rubrik ein...zu erzählen hätte ich so einiges... Sie würden sich doch bestimmt freuen, oder?

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