Sonntag, 31. Mai 2009

Aufwiedersehen, Junimond...

Rosengarten

Ich schließe sanft, mit einer traurigen Handbewegung, die Tür.
Vor der er tapfer von dannen geht.
Während der alte, hochgeschlossene, eingelaufene Polyesterpulli ein wenig lästig auf der nackten, noch warmen Haut kratzt. Meine Haare wachsen aus ihm heraus, wie ein mich dunkel umgebender Schleier.

"Es tut mir leid...", flüstere ich in Gedanken.
Und sage doch nur: "Bitte nicht böse sein...."
In der Hoffnung, dass er es trotzdem weiss.

Zurück in der Küche öffne ich mir ein Bier und erschlage eine Mücke.
Es kommt mir ganz normal und befreiend vor.
Im Garten geben die Vögel ihr erstes Konzert.

Der Geruch an meinen Fingern erinnert mich. Jarvis im Hintergrund erinnert mich. Das leere Weinglas erinnert mich.
Und ich weiss nicht, ob ich mich loben oder schelten soll, dafür.

Oft schon war ich mir so klar. Aber noch nie war ich so ehrlich, in einem dieser Momente.
Ist das jetzt ein Gewinn?

Schlimm nur, dass ich ihn wirklich mochte. Anders, also, aber. Eben schon.
Wir hatten einen schönen Abend. Gute Gespräche. Einer von denen, die sowas eigentlich so gar nicht verdienen.
Vielleicht auch deshalb die Ehrlichkeit. Das eine, was ich schulde.

Dazuliegen. In seinen Armen. Und zu wissen.
Zu wissen, dass jedes weitere Bemühen nur Frustration erzeugen wird.
Sich selbst von oben sehen, als wäre man tot.
Losgelöst. Wie ein leeres Schema voller verlorener Fährten.
Den Kopf wegdrehen. Anschmiegen. Aber wegdrehen. Im entscheidenden Moment.
Gefangen in einem Stacheldraht aus Widerwillen.
Die warme Haut fühlt sich gut an. Die Hände sind sanft. Und bleiben es.
Auch danach noch.
Nach all den Worten, die ich letztlich sprechen musste, um die zu bleiben, die ich bin.
Eine Untote in viel zu fremden Armen,
deren Nähe ich doch pervers genieße.
Für einige, viele Minuten noch.
Bis er sich selbst und mich daraus erlöst.
Und ich mir Polyester über den Leib streife, zum Schutz vor der Kälte.
Verwaschen, eingelaufen, und mit einem Kragen bis an die Ohren.

"Es ist besser so...", flüstere ich mir selbst zu.
Und lächele ein wenig in meine ewigwährende Trauer hinein.

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