Freitag, 19. Dezember 2008

Damals. Heute. Morgen.

Christine Brückner. Ich bitte Dich.

Du sagst: eine Blume,
und schon blüht mir am Weg die Kamille.
Du aber dachtest an Mohn.
Du sagst: ein Vogel,
schon fliegt mir der Stieglitz davon.
Du dachtest: ein Sperber.
Du sagst: ein Haus,
und ich stehe unterm schützenden Giebel.
Du aber, du stehst unterm Himmel auf einem flachen Dach.
Und sagst: ein Kind,
Und ich spüre seine Hand in der meinen.
Du aber dachtest nur:
irgendein Kind,
eine fremde Blume,
irgendein Vogel,
ein Haus, irgendwo.
Du sagst: das Meer,
und du denkst es dir blau,
und meines wird zu Blei.
Und Himmel und Berg und ein Schiff,
ich bitte dich
Schweige!
Ich will dich lieben.

Kommentare:

  1. "Schweige! Ich will dich lieben!"
    Das werde ich mir merken, fuer alle Faelle!
    Bonne chance!
    Audrii

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  2. Bonne chance! Eben nicht, das war/ist/wird es ja!
    Es scheint als schwiegen(?) Männer stets in den falschen Momenten.

    Das Gedicht stammt aus einem Sammelband den ich vor 20 Jahren des öfteren 'mal unter verschiedensten Umständen in den Händen hatte und den ich nie vergessen konnte. Kürzlich habe ich ihn dann bei Amazon gesucht und gefunden. Für sagenhafte 1 Cent. Es war überraschend. Ist es meist doch so, dass man alte Dinge besser in der Erinnerung ruhen lässt. Hier jedoch war es gut und richtig sie wieder auszugraben. Seltsam allerdings zu merken, dass mein Herz auch heute noch zu jenen Werken geht, zu denen es damals ging. Viel scheint sich nicht verändert zu haben.

    Auch so ein all-time-fave (der immer durch meine Resthirnwindungen kreiste, den ich aber nie korrekt zitieren konnte):

    Nora Seibert. hoffnungen.

    er war erstaunt
    als ich ihm sagte
    daß ich ihn liebe
    er habe mir doch
    gar keine hoffnungen
    gemacht
    das stimmt
    die hoffnung kommt
    aus mir
    wohin sie auch wieder
    zurückgeht

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